
Wie kommt man eigentlich auf die Idee, im Winter auf einem See zu grillen?
Zwischen Eis, Feuer und endlosen Reisen sammle ich Geschichten, die nach Rauch, Abenteuer und Freiheit riechen.
In meinem Blog „Feuer & Reisen“ nehme ich dich mit an die außergewöhnlichsten Orte, an denen ich gekocht und gegrillt habe – auf gefrorene Seen in Finnland, an raue Küsten im Norden, an heiße Lavafelder und mitten hinein in echte Begegnungen.
Warum grille ich freiwillig bei Schnee und Sturm?
Wie fühlt es sich an, nachts unter Polarlichtern am Feuer zu stehen?
Und warum faszinieren mich ursprüngliches Kochen, Naturgewalten und das Leben draußen so sehr?
Weiter unten findest du nach und nach meine persönlichen Geschichten, Reiseberichte und Erlebnisse rund um Feuer, Reisen, Natur und das Kochen auf offenem Holzfeuer. Echt, direkt und ohne Inszenierung.

Feuerring auf dem Eis – Grillen zwischen Nordlicht, Schnee und knisterndem Feuer
Zwischen Nordlichtern, meterdickem Eis und offenem Holzfeuer grille ich mitten in der finnischen Wildnis eine Weißwedelhirschkeule auf einem gefrorenen See. Wie funktioniert ein Feuerring auf Eis, warum friert Bier am Feuer ein – und was passiert, wenn plötzlich Aurora Borealis über uns tanzt? Eine Geschichte über extremes Grillen, Finnlands Winter und Momente, die man nie wieder vergisst.

Brechen wir nicht irgendwann durch das Eis ein?
-25 °C, 40 Zentimeter dickes Eis, schneidender Ostwind, eine 7-Kilo-Keule vom Weißwedelhirsch und die feste Absicht, mitten auf einem gefrorenen See ein großes Feuer zu entzünden. Eines steht fest: Verregnen wird mir dieser Grillabend definitiv nicht.
Ich befinde mich im Osten Finnlands. Tief im Wald. Die nächste Ortschaft liegt gut eine Autostunde entfernt. Genau dort, wo der Winter noch zeigt, was er wirklich kann, wollen wir heute eine Hirschkeule grillen. Kein Fleisch aus dem Supermarkt, sondern eine Keule von einem Weißwedelhirsch, den ein Freund vor Ort im Herbst selbst geschossen hat. Regionaler, ursprünglicher und authentischer lässt sich ein Grillabend kaum gestalten.
Und trotzdem klingt es erst einmal völlig verrückt: Auf einem gefrorenen See stehen, ein riesiges Holzfeuer entzünden und darauf über Stunden grillen.
Der See ist an dieser Stelle ungefähr einen Meter tief. Flach genug, um sicher zu stehen. Aber natürlich bleibt da dieser Gedanke im Kopf: Irgendwann muss das Eis doch schmelzen. Irgendwann müssen wir doch einbrechen.
Tatsächlich passiert erstaunlich wenig. Obwohl das Feuer über Stunden enorme Hitze entwickelt, schmilzt das Eis darunter nur langsam. Eis besitzt eine extrem hohe Schmelzwärme. Es braucht unglaublich viel Energie, um von fest zu flüssig zu werden. Gleichzeitig wird die Wärme permanent an die riesige Eismasse und das eiskalte Wasser darunter abgegeben. Genau das macht das Grillen auf dem Eis möglich.
Trotzdem bleibt bei vielen Gästen ein leicht mulmiges Gefühl. Und ehrlich gesagt: Ganz verschwindet dieses Gefühl auch bei mir nie.
Warum grillen wir im Feuerring?
Die meisten kennen eine Hirsch- oder Rehkeule klassisch aus dem Ofen, dem Bräter oder vielleicht vom Gasgrill. Ich nutze hier jedoch eine Technik, die perfekt zum offenen Holzfeuer passt.
Im Zentrum des Feuerrings entsteht ein Bereich ohne direkte Unterhitze. Die Hirschkeule wird stattdessen langsam und gleichmäßig von allen Seiten durch Strahlungshitze gegart. Genau das macht diese Methode so besonders.
Für unsere sieben Kilo schwere Keule planen wir etwa fünf Stunden Garzeit ein.
Zwischen den Füßen des Dreibeins entzünde ich zunächst drei einzelne Feuer. Wichtig dabei: Ich zünde sie von oben an. Dadurch entsteht nach und nach ein sauberes, gleichmäßiges Glutbett. Sobald genügend Glut vorhanden ist, ziehe ich diese ringförmig um die Mitte des Dreibeins.
Erst dann wird die Hirschkeule aufgehängt. Fast bis zum Boden. Optimal ist eine kleine Mulde in der Mitte des Rings. Nun beginnt die eigentliche Arbeit: Die Hitze muss konstant bleiben. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Idealerweise bewegt sich der Garraum dauerhaft zwischen 70 und 80 °C.
Die Wärme des Holzfeuers zieht langsam in das Fleisch ein. Genau dadurch bleibt die Keule saftig. Sie trocknet nicht aus und verbrennt außen nicht, während sie innen noch roh wäre.
Ein weiterer entscheidender Punkt: Die Keule muss rechtzeitig aus der Kühlung genommen werden. Kühlschrankkaltes Fleisch würde außen viel zu schnell austrocknen, bevor die Wärme überhaupt bis an den Knochen gelangt.
Rosenkohl vom Holzfeuer
Kurz bevor die Hirschkeule fertig ist, kümmere ich mich um die Beilage: gezupfter Rosenkohl.
Ja, das Zupfen dauert ewig. Und ja, es ist eine echte Strafarbeit. Aber der Unterschied ist enorm. Die einzelnen Blätter bekommen über dem Feuer Röstaromen, werden leicht knusprig und behalten trotzdem ihre Frische.
Die Rosenkohlblätter kommen mit ordentlich Butter auf die Plancha oder in die Paellapfanne über dem Holzfeuer. Dazu etwas Chili und eine leichte Süße zum Karamellisieren.
Mehr braucht es nicht.
Die Hirschkeule selbst würzen wir bewusst schlicht: Salz und etwas weißer Pfeffer. Der Geschmack des Fleisches und des Holzfeuers steht hier im Mittelpunkt.
Stunden auf dem Eis
Ich liebe genau diese Abende.
Stundenlang stehen wir gemeinsam auf dem gefrorenen See und passen auf den Feuerring auf. Über uns ein sternenklarer Himmel. In der Hand ein Lapin Kulta — „das Gold der Lappen“, wie das finnische Bier übersetzt heißt.
Und tatsächlich wird selbst kaltes Bier hier irgendwann zum Problem. Mir ist es mehr als einmal passiert, dass mir beim Öffnen der Dose das Bier sofort gefroren ist.
Deshalb stehen inzwischen immer ein paar Dosen direkt am Feuer. Nicht um sie heiß zu machen — sondern damit sie überhaupt trinkbar bleiben. Klingt absurd. Ist es auch.
Und dann kommen die Nordlichter
Die Nächte in den finnischen Wäldern besitzen immer eine besondere Magie. Doch manchmal passiert etwas, das selbst dort unwirklich wirkt.
Aurora Borealis. Nordlichter.
Unsere Gäste sitzen am Feuer und essen die Hirschkeule. Ich gehe ein paar Schritte über das Eis, suche mir einen kleinen Felsen, öffne eine Dose Bier und genieße einfach nur die Stille.
Dann wandert mein Blick nach Norden.
Und plötzlich sind sie da.
Flüssiges Grün zieht über den Himmel. Dazu violette und rote Schleier, die tanzen, pulsieren und sich gegenseitig jagen. Als würde der Himmel brennen.
Niemand spricht mehr.
Wir stehen einfach nur da. Mitten auf dem gefrorenen See in Finnland und schauen nach oben.
Irgendwann tausche ich mein Bier gegen einen Monkey Tonic, aber das Schauspiel bleibt surreal. Fast zwei Stunden beobachten wir die Nordlichter, bis sie plötzlich verschwinden. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Was bleibt, ist dieses Gefühl. Diese Erinnerung.
Und genau darum geht es für mich beim Reisen, beim Grillen und bei all diesen Momenten am Feuer: Einfach machen.
Denn die Dinge, die uns wirklich im Kopf bleiben, passieren nur selten zuhause auf der Couch.
Wenn Euch solche Geschichten faszinieren, schaut Euch gerne auch meine anderen Abenteuer rund um Feuer, Reisen und außergewöhnliche Grillorte an.
Keule vom Weißwedelhirsch aus dem Feuerring
Brechen wir nicht irgendwann durch das Eis ein?
